Boccia

 

Geschichte

Das Boccia-Spiel geht wahrscheinlich auf das antike Sparta zurück. Dort sei es schon um 500 vor Christus gespielt worden. Die Etrusker hätten es dann übernommen. Im Mittelalter war Boccia ein beliebtes Kugelspiel in Italien, Spanien, England und Deutschland. In Italien ist Boccia laut Brockhaus im 19. Jahrhundert zum sportlichen Wettkampf entwickelt worden. Seit 1984 ist es eine paralytische Disziplin

Zwei Bahnen

Die beiden Boccia-Bahnen gehören zum Centro Italiano. luden um Spiel an der Heinrich-Nordhoff-Straße ein, wo das Centro Italiano 1964 im ehemaligen Hotel Hanseat gegründet unter der Leitung der Missione Cattolica Italiana gegründet wurde. Dort entstand auch der heutige Sportverein Lupo-Martini, zu dem Boccia als Sparte gehört. Aber die Bahnen zogen mit nach Alt-Heßlingen und sollen auch jetzt am Standort Goethestraße wieder aufgebaut werden - so die Haltung des Centro-Vorstands. Diese Ansicht stützt der Sportverein Lupo-Martini. 

Turniere

Das letzte Boccia-Turnier ist am 9. Mai 2015 auf der Anlage in Alt-Heßlingen gespielt worden. Ein Jahr zuvor gab es die 9. Auflage des Turniers "Coppa Italia" am 9. Juli 2014. Den Wettbewerb haben die Italienische Konsularagentur und die Boccia-Sparte des Sportvereins Lupo-Martini orgagnisiert. Es ging um einen Wanderpokal. Auf der Boccia-Bahn wurde nach dem Umzug von der Heinrich-Nordhoff-Straße nach Alt-Heßlingen im Oktober 2005 das Sergio-Ghianelli-Gedächtnisturnier ausgetragen. Unter den 22 Teilnehmern war auch Ortsbürgermeister Detlef Conrad. Da er Vittorio Rabassini aus dem Turnier kickte, lobte sein Mitspieler Giovanni Sierra: "Du kannst es. Du hast Boccia im Blut". Der Ortsrat Stadtmitte stiftete den zweiten Preis, die SPD Stadtmitte den dritten. 

 

 

 

Foto: Boccia - im Turnier oder zum Ausgleich. Foto: Lars Landmann

Das Spiel

Boccia ist ein Kugelspiel, in dem es darum geht, die eigenen Kugeln möglichst nahe an einer kleineren Zielkugel zu platzieren. Dabei gilt es, günstig liegende gegnerische Kugeln wegzuschießen. Es ist ein Präzisionssport, der Geschick mit Augenmaß, Konzentration und Wurfgefühl kombiniert. Es gibt Einzel oder Doppel. Im Einzel hat jeder Spieler vier, im Doppel jeweils zwei Kugeln. Möglich ist auch ein Dreier. Das Spiel endet, wenn eine Partei 15 Punkte erreicht hat. Jede Kugel, die näher an der Zielkugel (Pallino) liegt als eine gegnerische, bedeutet einen Punkt. Gespielt wird auf zwei Gewinnsätze. Es gibt zwei Würfe: beim Raffa muss die Kugel mindestens über die D-Linie (etwa 7 bis 8 Meter vom Abwurfpunkt entfernt) geworfen werden. Der Spieler sagt vorher an, welche Kugel er treffen will. Beim Volo-Wurf darf die Kugel nur einen Teil des Bodens berühren und maximal 40 Zentimeter vor der Zielkugel aufkommen. Liegen Pallien und und Kugeln mehr als 13 cm beieinander dürfen unter der Ansage "Pallino" Kugeln und Pallino getroffen werden. Der Schiedsrichter sagt dies mit "Bersaglio" an

 

Bahn / Kugeln

Boccia wird auf ebenem, nivelliertem Boden gespielt. Die Bahnen sind 26,50 Meter lang und 4,5 Meter breit, in der Höhe 25 Zentimeter. Die Kugeln haben einen Durchmesser von 107 Millimeter und ein Gewicht von 920 Gramm. Sie sind aus Metall oder Kunststein hergestellt. 

 

 

 

 

 

 

 

 Boccia-Bahnen, links am ersten Centro Italiano (Hanseatic), rechts am zweiten Centro Italiano (Scheune) Fotos: Ivano Polastri

Italienische Begriffe

 

pallino (Zielkugel)

individuale (Einzel)

coppia (Doppel)

terna (Dreier)

bersaglio (Kugeln dürfen getroffen werden)

giocata (Kehre, es wird nach Satzende in die andere Richtung gespielt)

 

Deutschland

Es gibt den Boccia Bund Deutschland. Ihm gehören 350 Mitglieder an, von denen 200 in den verschiedenen Ligen Turniere spielen. Der Bund verfügt auch über Nationalmannschaften für Herren, Damen und Jugend, die sich an WM und EM beteiligen. Elf Vereine tragen laut Wikipedia derzeit Turniere aus. 

 

Aktuelle Lage

Die Boccia-Anlage wird zurzeit auf dem Gelände des USI Lupo-Martini in der Kreuzheide neu aufgebaut. Zuvor ist das Dach dort eingelagert worden. Die Bahn wird 26 Meter lang sein, was für die internationalen Spielbedingungen genügt.  Dies sicherte Stadtbaurat Hirschheide in einem Telefonat den Vorsitzenden Carmelo Civa (Förderverein Centro Italiano) und Giovanni Carboni (USI Lupo-Martini) am 14. Dezember zu. „Wir freuen uns, dass im kommenden Jahr wieder Boccia in Wolfsburg gespielt werden kann“, erklärte Civa und Carboni betonte in einer gemeinsamen Presseerklärung, dass „Lupo-Martini die Voraussetzungen für eine Wiederbelebung des Boccia-Spiels erfüllt“. Er hatte das gemeinsame Vorgehen zur Lösung der Boccia-Frage initiiert.

Den Vorschlag der Stadtverwaltung, nur eine Bahn vorm neuen Centro Italiano aufzubauen, lehnten beide Vereine ab.  Sie hätte  nur Länge von 12 Metern und eine Breite von 3 Metern. Als geeignet sahen sie den direkt hinter dem Centro Italiano gelegenen Immermannhof an. Dort könnte das Centro für die Betreuung der Anlage sorgen, die eigenen sanitären Anlagen zur Nutzung öffnen. Es wäre auch ein Standort, der zur Belebung der Höfe beitragen könnte. Ortsbürgermeister Detlef Conradt (SPD) lehnt dies ab, stellt die Existenzberechtigung des Fördervereins Centro Italiano in Frage. 

Das Centro Italiano ist heute über die Aufgabe, die Integration der Italiener zu fördern, hinaus ein Angebot an alle Wolfsburger gleich welcher Nation, sich in einem Dialog der Kulturen zu treffen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Schnittstelle zwischen italienischer und deutscher Kultur. Es gehört zum sich ständig erneuernden Selbstverständnis, wie schon 1964 auch Sportangebote wie Boccia zur Kommunikation aller Wolfsburger anzubieten.